Fußnetz Rheinland

Wir entwickeln neue Versorgungsstrukturen
Erfolgreiches Fußnetz in Nordrhein sorgt für deutliche Kostensenkungen

Amputationen als Folge des diabetischen Fuß-Syndroms (DFS) sind eine der schwerwiegendsten Komplikationen des Diabetes mellitus. Das Fußnetz, in dem Hausärzte, Krankenkassen und Spezialisten kooperieren, ist auf die Betreuung von
Menschen mit DFS ausgelegt und hat dazu beigetragen, dass die Amputationsrate erstmals deutlich gesunken ist. Die erfahrenen Spezialisten in Klinik und Praxis arbeiten hier eng zusammen und entwickeln so eine hochwertige, flächendeckende und wirtschaftliche Versorgung durch die sich eine neue Strukturqualität herausgebildet hat: Die Kernfunktionen sind vollständig (d.h. in den stationären Einrichtungen doppelt) und qualifiziert besetzt. Ärzte können ihre Kenntnisse in einem Intensivkurs mit 17 Referenten vertiefen, Assistenzpersonal wird in einwöchigen Kursen in der Wundversorgung ausgebildet.
Die Zusammenarbeit innerhalb des Fußnetzes wird für alle Parteien transparent durch offenes Benchmarking, offene Fotodokumentationen, Hospitationen mit Auditfunktion und Diskussion der Ergebnisse in Qualitätszirkeln. Der Benchmarkingvergleich bezieht Patientenzahlen, Angaben zur Schwere der Erkrankung (Wundtiefe, Dialyse etc.) und die Ergebnisse (Amputationen, Todesfälle, Wundheilungszeiten, Krankenhaustage) mit ein.
Fortbildungen und Qualitätszirkel sind die Grundlage dafür, dass Spezialisten und Hausärzte im Fußnetz eng miteinander zusammenarbeiten und sich
austauschen können. Zudem tragen die Patienten Befundmappen bei sich, in denen alle relevanten Befunde gesammelt werden.

Erfolg durch Kölner Fußnetz bestätigt

Das Netzwerk Diabetischer Fuß Köln und Umgebung war das erste dieser Netze, die inzwischen in ganz Nordrhein sowie in anderen Regionen der Republik etabliert sind. Das Kölner Netz, in dem mindestens 40 Prozent der schwer Erkrankten der
Region behandelt werden, hat einen Qualitätsbericht über die Arbeit bis 2006 veröffentlicht (www.fussnetz-koeln.de). Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt
werden hier nur 18 Prozent der Amputationen oberhalb des Knöchels erforderlich, d.h. bei nur ca. einem Sechstel der Patienten und auch die Gesamtzahl der Amputationen ist niedrig. Bei Rückfällen kommen die Patienten zudem früher
in Betreuung als beim Erstkontakt, was unter anderem zur Folge hat, dass stationäre Aufnahmen in weniger als der Hälfte der Fälle der Regelversorgung
notwendig werden. Insgesamt ist die Zahl der Rezidive ebenfalls niedrig. Der wahrscheinlich erheblichste Effekt ist jedoch der Rückgang schwerer Fälle in der Region. Hausärzte, die beginnende Schäden früh entdecken, führen die Patienten
ohne Zeitverlust einer spezialisierten Versorgung zu, so dass fortgeschrittene Stadien des DFS immer seltener auftreten.
Der Qualitätssprung zeigt auch bevölkerungsbezogen Effekte, wie Prof. Christoph Trautner aus Wolfsburg in der Fortsetzung einer Untersuchung nachgewiesen hat, die seit 1990 alle Amputationen bei Diabetikern in Leverkusen erfasst. In den 90er
Jahren fand sich eine gleichbleibende Amputationshäufigkeit, nun lässt sich erstmals in Deutschland eine Reduktion um 35 Prozent nachweisen.
Die niedrigeren Amputationsraten und die verringerte Zahl der Krankenhausaufenthalte führen zu deutlichen Einsparungen.

Weitere Informationen unter:
dirk.hochlenert@web.de