20.06.2013

Fünf Jahre winDiab

Diabetologen verbessern gemeinsam die Versorgung der Patienten

Das wissenschaftliche Institut der niedergelassenen Diabetologen (winDiab) wird 2013 fünf Jahre alt. Über winDiab können die teilnehmenden diabetologischen Schwerpunktpraxen ihre Daten, z. B. zur Wirksamkeit einzelner Therapien, anonymisiert erfassen und miteinander vergleichen. Auf diese Weise überprüfen die Mediziner den Stand der ambulanten Diabetesbehandlung, um sie kontinuierlich weiter zu verbessern. Der soeben erschienene winDiab-Jahresbericht bietet einen Überblick über die Diabetesbehandlung des vergangenen Jahres und spannt erstmals auch den Bogen von den Anfängen des Institutes bis heute. „Wir sind stolz, sagen zu können, dass mittlerweile 104 diabetologische Schwerpunktpraxen aus ganz Deutschland an den winDiab-Erhebungen teilnehmen. Dadurch leisten wir gemeinsam einen wesentlichen Beitrag zur ambulanten Diabetesversorgung in Deutschland“, so Dr. Matthias Kaltheuner, Vorstand des Berufsverbandes der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN). Die Diabetologen aus Nordrhein haben winDiab maßgeblich initiiert.

Wieder mehr Neuerkrankungen

Ein wesentliches Ergebnis des neuen Jahresberichtes: Die Patientenzahlen haben in den vergangenen fünf Jahren um 25 Prozent zugenommen. „Da die Diabetesepidemie sich weiter ausbreitet, wird die Zahl der Patienten noch weiter wachsen. Selbst wenn sie in den kommenden Jahren lediglich um acht Prozent pro Jahr ansteigt, werden wir bis 2022 doppelt so viele Patienten haben wie heute. Dies ist eine dramatische Entwicklung, wenn wir bedenken, dass die Anzahl der Hausarztpraxen und diabetologischen Schwerpunktpraxen mehr oder minder gleich bleiben wird“, erklärt Dr. Kaltheuner. Am stärksten hat, wie in den vergangenen Jahren, die Zahl der an Diabetes Typ 2 erkrankten Patienten zugenommen. Diese Form des Diabetes, umgangssprachlich auch „Altersdiabetes“ genannt, betrifft heute aufgrund von Bewegungsmangel und ungünstigen Ernährungsgewohnheiten zunehmend auch jüngere Menschen. Dementsprechend sind es vor allem Typ-2-Diabetiker, die Schulungsangebote der Schwerpunktpraxen in Anspruch nehmen, wie der winDiab-Jahresbericht ebenfalls zeigt. Spezielle Schulungen vermitteln Diabetikern Wissen und Fertigkeiten im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung und helfen zudem, negative körperliche, psychische oder soziale Konsequenzen des Diabetes zu vermeiden. Am häufigsten werden Diabetiker für die sogenannte intensivierte Insulintherapie geschult. Die entsprechende Schulung gehört zu den gründlichsten, da sie insgesamt 12 bis 24 Stunden Schulungsdauer beinhaltet.

Großer Einsatz für die Patienten

Neben den Patienten- und Schulungszahlen gibt der winDiab-Jahresbericht Auskunft darüber, wie die Schwerpunktpraxen funktionieren und arbeiten. In der durchschnittlichen winDiab-Partnerpraxis sind demnach 1,7 Diabetologen, 2,0 Diabetesberaterinnen und 1,4 Diabetesassistentinnen sowie zusätzlich 1,5 Wundmanagerinnen, 0,8 Ernährungsberaterinnen und 6,3 weitere Mitarbeiter tätig. Insgesamt besteht das Praxis-Team also aus durchschnittlich 13,8 Personen. „Das ist weit mehr als die Mindestanforderung, die lediglich einen Diabetologen, eine Diabetesberaterin und eine Diabetesassistentin vorschreibt“, so Dr. Kaltheuner. Auch im Bereich der Datenverarbeitung belassen es die winDiab-Praxen nicht bei den Standards. Die über 150 speziell für Arztpraxen entwickelten Computerprogramme sind nicht darauf ausgelegt, Krankheitsverläufe bei Diabetes-Patienten zu erfassen. Wie der Jahresbericht zeigt, nutzen daher viele Praxen zusätzliche Software-Systeme, um ihre Patientendaten strukturiert erfassen und auswerten zu können. „Auch diese Systeme tragen dazu bei, die Abläufe in den Praxen und somit auch die Versorgung der Patienten zu verbessern“, führt Dr. Kaltheuner an.

Mehr Versorgungsforschung nötig

Der neue Jahresbericht zeigt, dass die Diabetologen auf einem guten Weg sind, wie Dr. Kaltheuner findet: „WinDiab hat sich in den fünf Jahren seit seiner Gründung einen hohen Bekanntheitsgrad in diabetologischen Kreisen sowie die Anerkennung durch Politik und Krankenkassen erarbeitet. Auf diese Leistung sind wir alle sehr stolz.“ Mit den vorliegenden Ergebnissen sei die Arbeit jedoch noch längst nicht beendet. „Die Zahl der Diabetes-Patienten steigt weiter an, das zeigt uns nicht nur der winDiab-Jahresbericht. Gleichzeitig fehlt es uns an Ärzten und Mitarbeitern, der ökonomische Druck steigt ebenfalls. Aus diesem Grund müssen wir die Effektivität und Effizienz der ambulanten Diabetesbehandlung dringend weiter verbessern. Um dies zu erreichen, benötigen wir in der Zukunft noch mehr Versorgungsforschung. Diese kann wiederum nur mit mehr Daten und im Idealfall mit noch mehr teilnehmenden Praxen durchgeführt werden“, fasst Dr. Kaltheuner zusammen.

Der vollständige winDiab-Jahresbericht steht im Internet unter www.windiab.com zur Verfügung

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