06.05.2009

Insulinbehandlung macht nicht dick

Studie belegt: Diabetesbehandlung mit Insulin ist besser als ihr Ruf – Diabetologen-Berufsverband erfreut über neue Ergebnisse

Die Behandlung von Diabetes mit Insulin macht nicht dick. Dies belegt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Deutschen Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Die untersuchten Patienten nahmen in zwei Jahren je nach Behandlungsart durchschnittlich nur 0,4 bis 2,1 kg zu. „Die Ergebnisse sind bemerkenswert, da sie erstmals zeigen, dass es keinen Grund gibt, eine medizinisch sinnvolle Insulinbehandlung wegen der gefürchteten Gewichtszunahme abzulehnen oder zu verzögern“, so Dr. Matthias Riedel vom Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN). In der Vergangenheit hatten Diabetes-Patienten immer wieder die erforderliche Insulinbehandlung abgelehnt, weil sie sich vor Übergewicht fürchteten. „Es gibt zwar einzelne Patienten, die falsch oder gar nicht beraten wurden und  während einer Behandlung mit Insulin statt mit Tabletten drastisch zugenommen haben“, erklärt Dr. Riedel, „Dies sind aber Einzelfälle.“

Die Studie basiert auf den Daten von 3.000 neu auf Insulin eingestellten Diabetes-Patienten aus dem Disease-Management-Programm (DMP). Das DMP regelt die Versorgung der Diabetiker, so dass Hausärzte, Diabetologen und Kliniken die Behandlung und Beobachtung der Patienten optimal untereinander abstimmen können. Von den 3.000 Patienten wurden 1.700 auf Standardinsuline eingestellt und 444 auf moderne Analoginsuline, die schneller wirken und bei denen auf Zwischenmahlzeiten verzichtet werden kann. Bei Standardinsulinen sind diese Mahlzeiten nötig, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Die übrigen Patienten erhielten Mischungen aus Standard- und Analoginsulinen. Innerhalb von zwei Jahren zeigte sich, dass von den Patienten, die mit Standardinsulinen behandelt wurden, Männer im Schnitt nur 1,25 kg zunahmen und Frauen 2,15 kg. Bei den Männern, die Insulin-Mischungen bekamen, erhöhte sich das Gewicht lediglich um 1,4 kg und bei den Frauen um 1,1 kg. Am niedrigsten war die Gewichtszunahme bei den Patienten, die auf Analoginsuline eingestellt worden waren: Sie nahmen durchschnittlich nur 500 Gramm zu (Männer 540 Gramm, Frauen 410 Gramm). Zudem ergab die Studie, dass die Patienten, die vor Beginn der Insulintherapie bereits schwergewichtig waren, unter der Behandlung vergleichsweise am wenigsten zunahmen.

„Diese Studie zeigt uns drei Dinge“, erklärt Dr. Riedel: „Erstens führt eine Insulinbehandlung nicht zu Übergewicht. Zweitens sehen wir, dass die Behandlung einiger Patienten mit den neuen Analoginsulinen durchaus sinnvoll sein kann, wenn eine Gewichtszunahme vermieden werden soll.“ Das dritte wichtige Ergebnis der Studie sei, dass die Versorgung diabeteskranker Menschen verbessert werden könne, wenn die Daten aus dem DMP sinnvoll ausgewertet würden. In Nordrhein geschieht dies bereits seit Jahren zu verschiedensten Zwecken, zum Beispiel um die Behandlungskosten zu rechtfertigen.

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